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INNOPEP

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INNOPEP - Innovationsabsicherung in Produktentwicklung und Produktion

Ausgangssituation

In Deutschland mangelt es nicht am Forscherpotenzial und innovativen Ideen, sondern an deren Umsetzung und Vermarktung in Form von innovativen Produkten, Dienstleistungen und Prozessen. Es erreichen nur 13% aller Produktinnovationen die Markteinführung. Noch kritischer ist die Tatsache, dass weniger als die Hälfte davon, ca. 6% der gesamten Produktinnovation, erfolgreich am Markt adaptiert und zu einem kommerziellen Erfolg werden [Ker06]. Diese Quote basiert hauptsächlich auf Fehleinschätzungen von Ideen und zukünftigen Innovationen. Gerade diese Fehleinschätzungen in den frühen Phasen des Innovationsprozesses führen dazu, dass „Big Ideas“ nicht erkannt werden oder zu spät auf den Markt kommen, oder noch schlimmer, dass Produkte auf den Markt gebracht werden, deren Kunden fehlen. Um diesen Zustand zu verbessern, sind Methoden erforderlich, die eine frühzeitige Absicherung der Innovationen ermöglichen.

Unternehmen erkennen zunehmend, dass zur Umsetzung von Ideen in neue Produkte und Dienstleistungen die kollektive Innovationsgenerierung in Unternehmens- netzwerken erforderlich ist. Die Bundesregierung hebt zusätzlich in ihrer Nachhaltigkeits- strategie den engen Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Innovation hervor. Einerseits wird Innovation als Motor der Nachhaltigkeit identifiziert, andererseits gilt Nachhaltigkeit als Motor für Innovation [BMF08]. Daher ist es notwendig, den Innovationsprozess nachhaltig zu gestalten.

Innovative Ideen können häufig zum Zeitpunkt ihrer Entstehung nicht kurzfristig für Innovationen genutzt werden. Daher gehen viele Ideen ohne eine effiziente und motivierende systematische Erfassung ungenutzt verloren. Es ist auch wichtig, die neuen Web-Technologien zu nutzen und neuartige Methoden für alle Phasen des Innovationsprozesses zu etablieren, um Innovationsideen gemeinsam mit Kunden, Partnern und Zulieferern schnell und transparent zu erfassen, weiterentwickeln und bewerten zu können sowie informationstechnisch mit den nachgelagerten Prozessen zu vernetzen. Innovationen entstehen dann auf der Basis von präsenten Ideen wesentlich einfacher. Die informationstechnische Vernetzung sollte von der Idee über Innovationsansätze bis hin zur Produktion reichen können. Die Anwender sind sich einig, dass eine durchgängige Vorgehensweise von der Innovationsideenfindung bis zur Umsetzung notwendig ist, um Innovationen ganzheitlich bewerten und effizient konkretisieren zu können. Strategische Entscheidungen mit einer entsprechenden Risikokalkulation können mit einer lückenhaften Informationsbasis nicht getroffen werden.

[BMF08] Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Netzwerk Lebenszyklusdaten: Daten für die Innovation von morgen; BMBF Referat 721, Bonn, 2008.

[Ker06] Kerka, F.; Kriegsmann, B.; Schwering, M. G.; Happich, Jan: „Big Ideas“ erkennen und Flops vermeiden – Dreistufige Bewertung und Innovationsideen. Kriegsmann (Hrsg.), No. 219, Bochum: Institut für angewandte Innovationsforschung e. V., 2006.

Zielsetzung

Zielsetzung des Projektes ist es, methodische, systemtechnische und prozessuale Lösungen zu entwickeln und bereitzustellen, um die Innovationsfähigkeit in produzierenden Unternehmen, insbesondere KMU, unter Berücksichtigung der klassischen Wettbewerbsfaktoren (Kosten, Zeit, Qualität) nachhaltig (ökologisch, ökonomische, sozial) bewertbar zu machen und zu steigern.

Im Rahmen des Projektes sollen Methoden zur Modellierung des Wert- schöpfungsnetzwerks (Lieferanten, Kunden, Forschungs- und Entwicklungspartner) mit Fokus auf die KMU-Beteiligung über den gesamten Innovationsprozess entwickelt werden. Auf Basis der Innovationsfähigkeitsbewertung (bspw. Reifegrade des Innovations- prozesses) bei den einzelnen Wertschöpfungspartnern kann eine Aussage über Innovationsfähigkeit des gesamten Wertschöpfungsnetzwerkes getroffen und eine gezielte Optimierung vorgenommen werden. Ausgehend von Methoden zur Analyse der Innovationsfähigkeit unter Berücksichtigung der Stakeholder im Wertschöpfungsnetzwerk werden Methoden zur kundenintegrierten Innovationserzeugung und -bewertung und Produktentwicklung auf Basis des im Verbundprojekt ISYPROM entwickelten „Requirements Engineering Integrated Innovation Process (REI²P)“ entwickelt. Dieser anforderungsgetriebene und kundenbezogene Innovationsprozess soll eine Web-Community-basierte, nach Rollen differenzierte Ideenerfassung, -entwicklung, -bewertung und -nachverfolgung erlauben und als Services in einer Cloud zur Verfügung stehen. Somit wird den Unternehmen eine Möglichkeit gegeben, die Open Innovation Community möglichst effizient zu steuern, um frühzeitig relevante Informationen über nachhaltige Wettbewerbsfaktoren zu generieren. Die gewonnenen technischen, betriebswirtschaftlichen und nachhaltigkeitsorientierten Informationen (vgl. Life Cycle Assessment) fließen in ein Bewertungssystem ein, das eine frühzeitige Bewertung und Auswahl der Innovations- projekte ermöglicht. Dadurch kann die Zeit bis zur Markteinführung sowie das mit einem Innovationsprojekt verbundene Risiko minimiert werden, woraus ein Wettbewerbsvorteil erwächst. Dieses Vorgehen ist von besonderer Relevanz, da in den frühen Phasen des Innovationsprozesses bereits ein Großteil der später anfallenden Kosten festgelegt wird und die Beeinflussbarkeit mit zunehmendem Projektverlauf immer weiter sinkt. Zudem wird der Pool der Ideengeber, aber auch der Pool an „Verwertern“ größer, wodurch Innovationen schneller vorangetrieben und besser vermarktet werden sollen.

Zusammenfassend kann die inhaltliche Zielsetzung des geplanten Projektes in folgende Teilziele gegliedert werden:

  1. Bereitstellung eines ganzheitlichen Reifegradmodells zur modellbasierten Bewertung der Innovationsfähigkeit von KMU unter Berücksichtigung der technischen, marktlichen und nachhaltigkeitsbezogenen Perspektive sowie des

  2. Bereitstellung von Handlungsanweisungen wie Best-Practices, generischem Innovationsprozess und Einführungsstrategien auf der Innovationsplattform mit Innovationskompass, der die unternehmensindividuelle Auswahl der Handlungsanweisungen unterstützt und so die zielorientierte Steigerung des Reifegrades der Innovationsfähigkeit erlaubt

  3. Modellbasierte Integration von Stakeholdern in den Innovationsprozess mittels Web Communities zur verbesserten Ideenfindung und Absicherung

  4. Konsistentes Management von Innovation im Kontext von produktbeschreibenden Daten durch die informationstechnische Verknüpfung auf Basis von sog. Tags (dt. Verschlagwortung) und Ontologien

  5. Instrumente zur strategischen Steuerung von Innovationsprojekten über KPIs, die die drei Absicherungsdimensionen repräsentieren und die gezielte Geschäfts- modellentwicklung für KMU verbessern (Bsp. Verstärkte Orientierung auf nachhaltige Produktentwicklung)

  6. Absicherung von Innovationsprojekten durch bidirektionale Verknüpfung von freiem Innovationsdenken mit den Abhängigkeiten der späten Phasen des Produktlebenszyklus

Nutzen

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Vorhabensergebnisse besteht in erster Linie in der Bereitstellung einfach handhabbarer Methoden, adaptierbarer Referenzprozesse und Softwareprodukte für ein nachhaltiges Innovationsmanagement. Insbesondere verspricht die Fokussierung auf die Anforderungen von KMU großen Erfolg in einem bisher nicht erschlossenen Marktsegment. Mittels der zu entwickelnden Lösungen können KMUs an der Entwicklung von innovativer Hochtechnologie teilhaben und in Zukunft schneller und leichter in komplexe, verteilte Innovationsprozesse und Innovationsnetzwerke integriert werden.

Die Relevanz des Projektes für KMU ergibt sich insbesondere durch:

  • Nachhaltigkeitsorientierte Innovationsmanagement-Referenzprozesse für KMU
  • Öffnung des Innovationsprozesses für externe Stakeholder und die daraus resultierende Verbesserung der Ideenfindung und Absicherung in der frühen Phase
  • Methoden für die multidimensionale Absicherung von Innovationsprojekten über den
    gesamten Lebenszyklus
  • Integration der Lösungen in die Systemumgebungen der Produktentstehung und Produktion
  • auf KMU ausgerichtete, branchenübergreifend anwendbare Best Practices-Beispiele
    und IT-gestützte Leitfäden für die Steigerung der Innovationsfähigkeit.

Darüber hinaus ist die Integration der sozialen, ökologischen und öko- nomischen Nachhaltigkeitsbewertung von Innovationen von gesamtgesellschaftlicher Relevanz.

Förderhinweis

Dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmenkonzept „Forschung für die Produktion von morgen“ gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt beim Autor.

Weiterführende Links

Homepage: INNOPEP

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Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Manuel Rothe
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Fachgebiet Qualitätswissenschaft
Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb
Fakultät V
Produktionstechnisches Zentrum (PTZ)
Raum 424
Pascalstr. 8-9
10587 Berlin
+49 (0) 30 / 314 21 780